Zahngesundheit und Ernährung
Erfahrungen von Birgit Linke u. a.
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Zahngesundheit und Ernährung - von Birgit Linke
Birgit Linke betreibt seit 20 Jahren eine Somali- und Abessinier-Zucht
Erfolgsbericht Zahnsanierung - von Carola Schilling

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Zahngesundheit und Ernährung - von Birgit Linke

Zuerst einmal muss man die möglichen Arten von Zahnschäden unterscheiden, als da sind:

Schnurri frißt Hühnerflügel (Januar 2004)
Das Fressen von Hühnerflügeln trainiert
die Kaumuskeln und putzt die Zähne
1. Zahnbeläge, Zahnstein

sind größtenteils ernährungsbedingt. Selbst wenn eine Disposition dafür vorliegt, kann man als Besitzer durch die Wahl des Futters großen Einfluss darauf nehmen. Im Umkehrschluss bekommt auch eine Katze ohne besondere Disposition für Zahnbeläge welche (wenn auch nicht so stark), wenn sie mit ungeeignetem Futter über längeren Zeitraum gefüttert wird.

2. Zahnfehlstellung, Kieferfehlstellung,
mit dadurch bedingtem Zahnverlust

ist eine genetische Missbildung und nur durch chirugische Maßnahmen zu korrigieren. Solche Katzen gehören von der Weiterzucht ausgeschlossen.

3. Zahnverlust, Zahnläsion, Karies

Es ist meine Erfahrung über einen langen Zeitraum, dass die Wahl des Futters im Kittenalter z.B. einen entscheidenden Einfluss auf das Erscheinungbild des bleibenden Gebisses hat. So fiel mir bereits zu Kochfutterzeiten auf, dass mit einem Mal die Kitten selbst der Katzen mit geschädigtem Gebiss einwandfreie Zähne hatten, selbst wenn der neue Besitzer später auf FeFu umschwenkte.

Schnurri zerbeißt Hühnerflügel (Januar 2004)
Knochen sind kein überflüssiger Ballast
sondern notwendiger Nahrungsbestandteil
Ich vermute (sicher weiss ich es nicht), dass es an der Art der Kittennahrung lag: Denn selbst zu Kochfutterzeiten bestand mein "Fleisch" zu 90% aus ganzen, gewolften Tieren und somit die Calziumzufuhr aus der für Katzen natürlichsten Quelle, den Knochen. Ich vermute, dass dadurch die Calziumeinlagerung im Kiefer zur Bildung des bleibenden Gebisses eine vollständige und fehlerfreie war, die mit Supplementierung via Ersatzpräparat nicht zu erreichen ist. Denn Katzen, die zwar mit Roh/Kochfleisch - aber eben nicht mit Calziumzufuhr via Knochen - ernährt wurden (bei befreundeten Züchtern), zeigten nicht diese Veränderungen zum Positiven. Und "zu kauen" gab es an meinem gewolften Fleisch nicht viel.

So lässt sich wohl auch erklären, warum gerade Nachkommen von Bauernhofkatzen und sonstigen Freigängern oftmals ein um vieles besseres Gebiss haben als liebevoll, aber ausschließlich im Haus aufgezogene Katzen. Die Freigänger konnten halt ihre Nahrung mit Mäusen - und damit mit natürlichem Calzium - "aufpeppen".

Noch ein Beispiel: Anfang des Jahres importierte ich 2 Katzen aus Amerika, die dort ausschließlich mit Trockenfutter ernährt worden waren. Beiden (8 + 11 Monate alt) fehlten bereits Zähne, obwohl sie z.T. aus den selben Linien stammten wie meine Katzen mit einwandfreiem Gebiss. Eine der Beiden hat inzwischen 5 Monate alte Kitten: Alle mit super Gebiss! Bei den beiden Importkatzen ließ sich durch Barf (= Rohfütterung) mit ganzen, gewolften Tieren weiterer Zahnverlust bisher verhindern.

4. Zahnfleischentzündung

kann viele Ursachen haben. Die falsche Ernährung ist nur eine Möglichkeit. Ernährungsbedingte Zahnfleischentzündungen gehen immer einher mit Mundgeruch, Zahnstein, Zahnläsion und Belägen. Diese Zahnfleischentzündungen sind schmerzhaft.

Eine andere Variante der Zahnfleischentzündung hat mit dem Gebiss als solches überhaupt nichts zu tun, sondern ist die Folge einer durchlebten Virusinfektion. Diese Zahnfleischentzündungen sind schmerzfrei und mit Zahnhygiene gleich welcher Art nicht beizukommen.

Eine solche durch Schnupfenviren verursachte Zahnfleischentzündung macht normalerweise der Katze keine Probleme. Sie wuchert nicht und ist eigentlich nur ein geröteter Rand um das ansonsten gesunde Zahnfleisch. Er verändert sich nur, wenn die Katze einen anderen (oft "stillen" ) Infekt durchmacht. Dann kann er auf einmal knallrot erscheinen. Schmerzhaft ist er aber auch dann nicht. In solchen Fällen hilft (nicht immer) eine Stärkung der Abwehrkräfte, z.B. durch eine 14-Tage-Kur mit Engystol-Tabletten. Engystol ist ein homöopathisches Komplexmittel zur Stärkung des Immunsystems.

Bei der schmerzhaften, ernährungsbedingten Zahnfleischentzündung sollte man ein Antibiogramm erstellen lassen und gezielt gegen die Bakterien therapieren. Die Entzündung muss zuerst ausheilen. Ein kurzzeitiger, gezielter Antibiotikaeinsatz ist allemal besser als die tägliche Tortur einer Zahnfleischspülung und/oder Zahnputzerei. Ehrlich gesagt, ich kenne keine Katze, der die Putzerei auf Dauer geholfen hätte.

Flexi frißt Putenfleisch (Dezember 2003)
Das Fressen von Fleisch (hier weiches
Putenfleisch aus der Keule) massiert
das Zahnfleisch und reinigt die Zähne
auf sanfte Art
Dann sollte man ein paar Fütterungsgewohnheiten den Zähnen seiner Katze anpassen. Wichtig ist, dass sie Knochen frisst - aber zuerst bitte gewolft, um das Zahnfleisch nicht noch mehr zu reizen! Durch das Calziumchlorid, aus dem die Knochen bestehen, wird der Zahnschmelz härter und es bilden sich nicht mehr so schnell Beläge, die zu Entzündungen, Zahnstein oder Läsion führen.

Gut ist auch, wenn in Stückchen - später in Stücke - geschnittenes Fleisch angeboten wird. Das massiert das Zahnfleisch, reinigt die Zähne auf sanfte Art, ist schmerzfrei für die Katze zu fressen und sorgt für eine gute Durchblutung. Aber bitte erst einmal nur Fleischstücke geben, ungewolfte Teile mit Knochen könnten das Zahnfleisch (besonders wenn es zum Wuchern neigt) verletzen. In diese Verletzungen nisten sich leicht Bakterien ein, die dann das Krankheitsbild verschlimmern.

Es ist erstaunlich wie schnell mit dieser Methode die Zähne saniert werden können. Anfang letzten Jahren bekam ich zwei Katzen deren Zähne ein wahrer Alptraum waren: Mundgeruch, Zahnfleischentzündung, Zahnstein, ausgefallene Zähne - das ganze Programm. Und die Beiden waren noch nicht einmal ein Jahr alt. Nach drei Monaten Rohfütterung nach der o.a. Methode: Keine Zahnbeläge mehr, kein Zahnstein, kein Mundgeruch und keine weiteren ausgefallenen Zähne. Ganz ohne Tierarzt, Zahnpasta, -Spülung und Spezialfutter - dem gegenüber ich zugegebenermaßen ein gewisses Misstrauen hege. Trocken- und Dosenfutter taugt meiner Ansicht nach nur dazu sich in den Zahnzwischenräumen festzusetzten und dort für ein äußerst ungesundes bakterielles Klima zu sorgen.

Ach ja, das Verhältnis Knochenteile zu Fleisch sollte 1/3tel Knochen (Flügel, Hühnerklein oder Hälse) zu 2/3tel Fleisch sein, am Anfang darf es auch noch etwas mehr Knochenanteil sein. Und keine Angst vor zuviel Calzium, ein Zuviel an natürlichem Calzium wird über den Kot und nicht über die Nieren ausgeschieden. Man kann es auch sehen, wenn eine Katze mal zuviel Knochen gefressen hat: Der Kot wird hart und hell. An Tagen mit weniger Knochen ist er dagegen dunkel und weicher.

Schnurri kämpft mit Hühnerflügel (Januar 2004)
Der Kampf mit dem Futter kann schon mal
blutige Spuren auf dem Teppichboden
hinterlassen
Ich füttere mittlerweile seit gut 11 Jahren auf diese Weise (erst gekocht, jetzt roh, aber immer ganze gewolfte Tiere). Ich füttere junge, alte, potente und kastrierte, Kater und Katzen auf die gleiche Weise und ich hatte noch nie -wirklich nie!- Nieren- oder Harnsteinprobleme. Meine z.Z. Älteste ist 12, bekommt also seit 11 Jahren diese Kost, ist putzmunter und ihre Nierenwerte lassen meine Tierärztin regelmäßig andächtig verstummen. Ihre Großmutter wurde mit diesem Futter 18 Jahre alt, ebenso meine Hauskatze.

Mutter Natur ist eben ein kluges Mädchen, die unsere Katzen sehr wohl darauf eingestellt hat, dass auch die Mäusepopulation ihre mageren und ihre fetten Jahre hat, also mal mehr Fleisch dran ist und mal weniger. Das funktioniert aber nur, solange Mensch nicht meint, er könne es besser und die von Natur aus vorgesehenen Knochen durch irgendwelche extrahierten Pülverchen ersetzt.

Oops, das hört sich ja jetzt furchtbar wissenschaftlich an und soll doch eigentlich nur meine bisher gemachten Erfahrungen wiedergeben.

Liebe Grüße

Birgit & der Purrkin's Clan

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Mit freundlicher Genehmigung von Birgit Linke, Januar 2004


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Erfolgsbericht Zahnsanierung - von Carola Schilling

Hallo ihr Lieben,

hier noch einmal ein Bericht von unserem "Sieben", dem Maine Coon Kater.

Diagnose: heftige Zahnfleischentzündung mit Wucherungen hervorgerufen durch Überbleibsel einer frühen Katzenschnupfen-Virusinfektion mit chronischem Verlauf. Die Mischinfektion konnte nur mit Breitband bekämpft werden.

Therapie: TA Antibiose und Depot Cortison
Prognose: Irgendwann das Ziehen aller Zähne

Viermal haben wir Sieben insgesamt die Tortur zugemutet. Dann haben wir Rohfleischfütterung begonnen. Alles sehr klein geschnitten und da er absolut keine Knochen fraß mit Calcium supplementiert. Die Brocken wurden im Laufe eines halben Jahres nun immer größer, die winzig klein gehackten Knöchelchen auch, und jetzt inzwischen frißt er normal. Geschnittenes Fleisch, Pute, Hirsch, Kaninchen, Huhn wird komplett gehackt und gegeben. Flügelchen in mehrere Stücke gehackt und Hälse (so ich mal einen auftreibe) ebenfalls.

Wir waren zwecks Untersuchung am Freitag beim TA. Er war äußerst erstaunt wie stark die Entzündungen zurückgegangen waren. Die Zähne waren blitzeblank und er war äußerst zufrieden.

Noch ist es nicht ganz weg aber wir sind auf dem besten Wege dazu. Vor allen Dingen, weil der Teufelskreis des Bakteriennährbodens Zahnstein eliminiert worden ist.

Mit lieben Grüßen

Carola

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Mit freundlicher Genehmigung von Carola Schilling, Februar 2004



www.kretakatzen.de 10.02.2004 Top